Mein Jahr in Israel

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Iom Shoa

Da in letzter Zeit so viel los war, kommt jetzt gleich der nächste Eintrag:

Am 21.4. war hier der Holocaust-Gedenktag (iom shoa). Das habe ich natürlich besonders mitbekommen, da ich in einem Altersheim arbeite, das heißt jeder hier war direkt oder indirekt ein Opfer der Nazis. 

Manche (wie zum Beispiel meine "Hebräisch- und Litauischlehrerin" Golda) waren schon vor dem 2.Weltkrieg ins damalige Palästina ausgewandert. Allerdings oft allein oder wie in Goldas Fall mit zwei Brüdern. Alle anderen neun Geschwister blieben in Litauen zurück. Sie erzählte mir eine sehr traurige Geschichte, die man heutzutage überhaupt nicht verstehen kann, die aber zeigt, dass die meisten Juden nicht den geringsten Schimmer hatten, in was für einer Gefahr sie schwebten.

Der Pfarrer aus Goldas Dorf, der anscheinend von den Deportationen der Juden gehört hatte, ließ noch bevor die Deutschen nach Litauen kamen alle Juden aus dem Dorf wissen, dass jeder von ihnen zu ihm kommen konnte, sich von ihm einen Brief geben lassen konnte und mit dem sie sich dann bei einer christlichen Familie verstecken konnte.

Da die Juden aber nicht in unkosheren Haushalten leben wollten, lehnten dies alle ab und die einzige die zu ihm ging war eine Schwester von Golda. Sie überlebte den Krieg versteckt bei einer christlichen Familie. Alle anderen Juden aus dem Dorf, also auch Goldas ganze restliche Famile, wurden von den Nazis umgebracht.

Tova, auch eine ältere Frau, die auf meiner Station lebt, war in Polen geboren. Sie floh vor dem Krieg als 17-jährige allein nach Russland und blieb dort bis zum Ende. Aus ihrer gesamten Familie ist nur noch eine Cousine übriggeblieben.

Eine andere Frau, die jeden Morgen zum Füttern kommt, war die Tochter eines Russen und einer Jüdin. Sie kam als Elfjährige während des Krieges in ein Ghetto mit ihrer Mutter. An einem Morgen wurde das gesamt Ghetto (um die 1000 Menschen) geräumt und alle Menschen in Züge getrieben. Die Mutter, die wahrscheinlich ahnte was ihr bevorstand, sagte zu ihrer Tochter: "Sag den Soldaten, dass du Russin bist, dann lassen sie dich gehen." Weil sie wahrscheinlich nicht sehr jüdisch aussah oder vielleicht, weil sie einfach nur Glück hatte, funktionierte es. Aber alle anderen wurden später umgebracht.

Dann haben wir auch solche, die selbst in Ausschwitz gewesen waren, wie zum Beispiel Zvia. Immer wenn ich sie frage, wie es ihr geht, sagt sie, dass es ihr gut geht, weil sie etwas zu essen hat. Und wenn ich nachmittags an ihrem Zimmer vorbeigehe zur Mittagsschlafzeit höre ich sie immer im Schlaf rufen: "Hallo, hallo, hallo"  und "Ima,ima,ima (Mutter)"
2.5.09 14:04
 



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